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Ein Event voller Klasse statt Masse

Coach Krueger von Team Europa bezeichnet World Cup als das hochkarätigste Turnier der Geschichte

von Nicholas J. Cotsonika @cotsonika / NHL.com Kolumnist

TORONTO -- Es war ein imposantes Bild, das sich am Donnerstag im Air Canada Centre beim Media Day zum World Cup of Hockey 2016 bot: Acht Mannschaften standen den Reportern auf verschiedenen Podien sechs Stunden lang Rede und Antwort. Zeitweise waren mehr Spieler versammelt als Journalisten, die ihnen Fragen stellten.

Einer der Aktiven war Drew Doughty von Team Kanada: zweifacher Goldmedaillengewinner, zweifacher Stanley-Cup-Champion, amtierender Norris-Trophy-Inhaber als bester NHL-Verteidiger. Allein saß er da, nippte an einer Wasserflasche und wartete. Die Szene hatte Symbolcharakter. Sie zeigte, dass bei diesem außergewöhnlichen Turnier nicht Masse, sondern reichlich Klasse am Start ist. 184 der besten Spieler sind in den nächsten 14 Tagen in Toronto versammelt. Der WCH 2016 könnte der hochkarätigste Wettbewerb aller Zeiten in der Eishockey-Geschichte werden.

"Ich sage euch jetzt etwas: Niemals zuvor hat es acht Mannschaften wie diese gegeben", betonte Ralph Krueger, Coach von Team Europa, der seit 1981 als Spieler und Trainer an vielen internationalen Titelkämpfen beteiligt war. "Ich glaube, es ist zweifellos das am stärksten besetzte Turnier aller Zeiten, wenn man allein schon auf das Spielniveau schaut."

Allerdings regt sich auch Kritik am World Cup, weil nicht in allen Mannschaften die besten Spieler antreten dürfen. Sie manifestiert sich vor allem an der Teilnahme von Team Nordamerika, einer U23 mit kanadischen und US-amerikanischen Spielern, sowie dem Acht-Nationen-Konglomerat von Team Europa. Wie könne man sagen, dass es sich um ein Turnier "best-on-best" handele, wenn ein Connor McDavid nicht für Team Kanada oder ein Jack Eichel nicht für Team USA antreten dürfe. Und sei es nicht ein Witz, wenn Anze Kopitar und Zdeno Chara nicht für Slowenien oder die Slowakei auflaufen, sondern in einem künstlich zusammengestellten Team?

Das Gegenargument lautet jedoch, dass mit diesen beiden Mannschaften noch mehr Stars vertreten sind, die sonst zum Zuschauen verurteilt gewesen wären. Von daher sei es vollkommen gerechtfertigt, vom bestbesetzten Turnier zu sprechen, das es je gegeben habe, so die Befürworter.

Seit 1998 haben sechs Nationen bei Olympia die Goldmedaille gewonnen: Kanada, USA, Tschechien, Finnland, Russland und Schweden. Es ist daher kein Zufall, dass genau diese sechs Länder eine eigene Nationalmannschaft zum World Cup entsenden. Die NHL und die Spielerorganisation der nordamerikanischen Profiliga versuchten den Rest des Feldes aufzumotzen und entschieden sich für die beiden gemischten Teams.

Hätten die NHL und die NHLPA zwei weitere Nationalmannschaften anstatt Team Nordamerika und Team Europa an den Start gehen lassen, wären zweierlei passiert. Sie wären nicht nur ohne Chance gewesen, sondern es hätten eben auch einige ausgezeichnete Spieler nicht dabei sein können. Wie Krueger sagte: "Der World Cup wäre um zwei Nationen ergänzt worden, die auf diesem Niveau niemals hätten mithalten können."

"Zu Beginn erschien einigen Leuten das Format etwas verwirrend", gestand der Torhüter von Team Finnland, Pekka Rinne. "Aber nun glaube ich, dass es die richtige Entscheidung für die Fans und Spieler war. Man weiß, dass wirklich die besten Leute vertreten sind. Ich denke, das war das Ziel. Ich finde das gut. Es wird aufregend für uns alle."

Große Momente von Underdogs bleiben vermutlich deshalb in Erinnerung, weil sie selten sind und nicht die Regel. Weißrussland - mit einem NHL-Spieler in seinen Reihen - gelang so eine Überraschung mit dem 4-3 gegen Schweden im Viertelfinale der Olympischen Spiele 2002. Was danach passierte, war aber alles andere als erbaulich. Die Weißrussen zogen im Halbfinale gegen Kanada mit 1-7 den Kürzeren und verloren das Spiel um Bronze ebenfalls haushoch mit 2-7 gegen Russland.

Lettland, ebenfalls mit einem NHL-Spieler im Team, ärgerte bei Olympia 2014 in Sotschi Titelverteidiger Kanada im Viertelfinale. Zu verdanken war das Goalie Kristers Gudlevskis, der an diesem Tag über sich hinauswuchs. Erst Shea Weber erlöste die Kanadier mit dem 2-1 in Überzahl im letzten Drittel. Dabei war das Spiel total einseitig, wie das Schussverhältnis von 57-16 zugunsten von Kanada beweist. "So etwas wird wegen der Qualität der Teams hier in Toronto nicht passieren", mutmaßt Krueger.

Jede Mannschaft bestritt drei Vorbereitungsspiele. Ungeschoren davon kam keines der acht Teams. Aufhorchen ließ Team Nordamerika mit zwei deutlichen Erfolgen gegen Team Europa (4-0, 7-4). Die Europäer erholten sich von den beiden Pleiten und schlugen die hoch eingeschätzten Schweden mit 6-2. Team Tschechien, das viele als die schwächste Mannschaft sehen, gewann gegen Russland (2-1 n. P.) und Team Nordamerika (3-2).

"Klar gelten Kanada und die USA als Favoriten. Aber man sieht, dass jeder gut abschneiden kann. Das müssen wir uns vor Augen halten und dürfen weder zu ängstlich noch mit zu starkem Selbstvertrauen in die Partien gehen. Dann passt das", meinte Jack Eichel.

"Der World Cup wird ganz anders als herkömmliche Turniere. Dort gewinnt man auch mal Spiele, ohne sein Bestes geben zu müssen. In Toronto geht das definitiv nicht", sagte der Kanadier Ryan Getzlaf. "Alle Mannschaften sind Elite-Teams und man muss jede Nacht eine Top-Leistung abrufen."

 

 

 

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