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WCH Schlagzeilen

Löcher in Europas Defensive gestopft

Coach Ralph Krüger findet erfolgreiche Verteidigungsformel und peilt nun das Semifinale an

von Axel Jeroma / NHL.com/de Autor

Nach den ersten beiden Testspielen konnte einem himmelangst und bange werden, sofern man Sympathien für das Team Europa hegte. Zehn Gegentore kassierte die mit Spielern aus acht Nationen besetzte Mannschaft gegen die pfeilschnellen und zielstrebigen Nachwuchsstars von Team Nordamerika beim 0-4 und 4-6. Vor allem die Defensive glich einem Schweizer Käse, was jedoch nicht allein den eidgenössischen Verteidigern der Europa-Auswahl anzulasten war. Doch im Moment der größten Frustration passierte die entscheidende Wende, die die Grundlage für den 3-0-Erfolg im ersten Gruppenspiel gegen Team USA schuf.

Es war in der ersten Drittelpause beim zweiten Vorbereitungsspiel gegen Team Nordamerika. 1-5 stand es zu diesem Zeitpunkt aus Sicht der Europäer. In der Kabine gab es nach den Worten von Coach Ralph Krueger nur ein Gesprächsthema: "Wir haben gesagt, entweder packen wir jetzt ein und fliegen nach Hause oder wir reißen uns endlich am Riemen, stehen füreinander ein und entwickeln unsere eigene Identität." Der gegenseitige Appell zeigte Wirkung. Fast hätte das Team Europa die Begegnung sogar noch umgebogen. "Gerade in schweren Stunden werden große Teams geboren. Wer da keinen Charakter zeigt, bricht zusammen. Aber wir haben zum Glück eine Mannschaft mit starken Charakteren, die nun zueinandergefunden hat", so Krueger.

Beim Training am Sonntag nach dem Match gegen die USA war die Stimmung beim Team Europa verständlicherweise prächtig. Schließlich hatte man einen der großen Turnierfavoriten nicht einfach nur besiegt, sondern das gleich zu null.

Coach Krueger scheint die richtigen Schlüsse aus dem holprigen Auftakt der Vorbereitung gezogen zu haben und tüftelte eine Defensive zusammen, die höchsten Ansprüchen genügt. Trotz einiger Wackler in den Tests vertraute er gegen die USA auf Jaroslav Halak im Tor. In der Verteidigung lief Andrej Sekera an der Seite von Zdeno Chara auf. Darüber hinaus bot Krueger mit Dennis Seidenberg und Roman Josi sowie Mark Streit und Christian Ehrhoff zwei deutschsprachige Pärchen auf. "Niemand hat international mehr Spiele auf dem Buckel als wir. Diese Erfahrung zahlt sich bei so einem Turnier aus. Da war ich mir von Beginn an sicher", betonte der Übungsleiter.

Nach dem Sieg gegen die USA war Goalie Halak voll des Lobes über seine Vorderleute. "Vor allem im ersten Drittel haben die Jungs einen tollen Job gemacht und nicht viel zugelassen. Ich selbst bin auch gut ins Match gekommen. Im weiteren Verlauf fühlte ich mich dann immer wohler. Wir hatten vor dem Spiel gesagt, dass wir 60 Minuten alles geben müssen, wenn wir eine Chance haben wollen. Das ist uns gelungen."

Christian Ehrhoff zeigte sich ebenfalls zufrieden. "Mit unserer guten Defensivarbeit haben wir den Grundstein zum Sieg gelegt. Wir haben unser Forechecking verbessert und insgesamt sehr gut verteidigt. Klar kam die USA zu Chancen, aber nicht aus zentralen Positionen. Außerdem haben wir kaum Nachschüsse zugelassen", sagte der momentan vereinslose Deutsche. Die gegen die USA erfolgreich praktizierte Taktik soll den Europäern auch am Montag gegen Team Tschechien zum Sieg verhelfen. Hinten solide abwehren und mit schnellen Gegenstößen vorne den Abschluss suchen, umreißt Ehrhoff die Marschroute für die kommende Aufgabe.

Für Leon Draisaitl ist die positive Entwicklung der vergangenen Tage kein Zufall. "Es ist ein Stück weit normal, dass es etwas dauert, bis man eingespielt ist. Jetzt verstehen wir das System immer besser. Außerdem stimmt die Chemie im Team. Es macht viel Spaß, mit erfahrenen Leuten wie Chara in einer Mannschaft zu stehen. Von ihnen kann ich als junger Spieler noch viel lernen", sagte er am Sonntag nach dem Training.

Freude ja, Selbstzufriedenheit nein. Auf diesen Nenner lässt sich die Gemütslage von Coach Krueger vor der Partie gegen die Tschechen am Montag bringen. "Der Sieg gegen die USA war ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt wollen wir ins Semifinale. Dabei kommt uns zugute, dass wir für viele immer noch unter dem Radar fliegen", sagte der Coach nach der sonntäglichen Übungseinheit in den Katakomben. Wie gegen die USA würden auch morgen gegen Team Tschechien kleine Dinge den Unterschied machen.

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