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WCH Schlagzeilen

Halak und Greiss, Kollegen und Rivalen

Team Europa wird mit Halak als Nummer 1 ins Turnier starten mit Unterstützung von Greiss

von Bernd Roesch / NHL.com/de Chefautor

In Deutschland ausgebildete Torhüter hatten es in der Geschichte der NHL noch nie leicht. Für Dimitri Patzold war das Abenteuer NHL nach drei Spielen für die San Jose Sharks in der Saison 2007/08 beendet. Timo Pielmeier brachte es in der Spielzeit 2010/11 auf einen Einsatz bei den Anaheim Ducks bevor er zur Saison 2012/13 wieder nach Deutschland zurückkehrte.

Mit dem Rosenheimer Philipp Grubauer und dem Füssener Thomas Greiss stehen nun gleich zwei Torhüter, die ihr Handwerk in Bayern erlernt haben im Aufgebot von Team Europa für den World Cup of Hockey 2016. Während Grubauer, der für den verletzten Frederik Andersen nachnominiert wurde, von Beginn an nur geringe Chancen eingeräumt wurden, dass er von Coach Ralph Krüger als Nummer 1 gesetzt wird, durfte sich Greiss berechtigte Hoffnungen auf diesen begehrten Posten machen.

Vor allem nach dem ersten Testspiel gegen Team Nordamerika am vergangenen Donnerstag, in dem sich Jaroslav Halak gleich viermal von den jungen Nordamerikanern geschlagen geben musste, schienen die Aussichten des Allgäuers rosig. Doch häufig kommt es anders als man vermutet und dann verläuft es auch noch unglücklich. Der 30-jährige Schlussmann musste sich im zweiten Aufeinandertreffen mit Team Nordamerika innerhalb der ersten zehn Spielminuten gleich viermal geschlagen geben und dann seinen Kasten zu Gunsten des Slowaken räumen. Halak kassierte in den verbleibenden knapp 50 Minuten nur noch zwei Gegentreffer bei 24 Schüssen.

Nach diesen beiden Partien ließ Krueger noch offen, auf welchen Torhüter er am 17. September zum Turnierauftakt gegen Team USA setzen wird. Schließlich gab es auch noch ein drittes Vorbereitungsspiel gegen Team Schweden zu bestreiten. Halak bekam in dieser Begegnung erneut den Vorzug gegenüber Greiss und packte mit einer guten Vorstellung gegen die Skandinavier seine Chance am Schopfe. Beim 6-2 Triumph brachte es der 31-Jährige mit 34 Paraden auf eine Fangquote von 94,4 Prozent und untermauerte damit seine Ambitionen auf den Torhüterposten.

Noch am Donnerstag machte Kruger keinen Hehl daraus und verkündete, dass gegen die US-Auswahl Halak seine Nummer 1 sein wird. "Es wäre doch dumm aus diesem Thema eine Geheimniskrämerei zu machen. Jaro kam zu diesem Camp, er fand sein Spiel und er ist professionell. Natürlich freut es uns, dass er heute [gegen Schweden] ein gutes Spiel gemacht hat."

Greiss und Grubauer sind ebenfalls Eishockeyprofis durch und durch. Auch wenn Torhüter am liebsten immer selbst im Tor stehen möchten, sie werden Halak, so wie es eben ihre Art ist, unterstützen. Greiss war es lange Zeit gewohnt Ersatztorhüter bei einem NHL-Team zu sein. Er begann seine Karriere 2007/08 bei den Sharks, wo er vier Spielzeiten lang erster oder zweiter Backup hinter Evgeni Nabokov und Antti Niemi war. Bei den Phoenix/Arizona Coyotes stand 2012/13 Mike Smith vor ihm und auch von den Pittsburgh Penguins wurde Greiss als Ersatzmann für Marc-Andre Fleury verpflichtet.

Bei den Islanders sollte sich die sportliche Situation des Deutschen gewaltig ändern. Eigentlich galt Halak bei den Islanders als Stammtorwart gesetzt, doch der Slowake hatte früh mit Verletzungssorgen zu kämpfen und Greiss bewies nicht nur, dass auf ihn Verlass ist, sondern wurde, dank vieler hervorragender Vorstellungen, auch zu einem Publikumsliebling im Barclays Center von Brooklyn, wo die Islanders ihre Heimspiele austragen. Auch in den darauffolgenden Stanley Cup Playoffs hatte der Bayer einen großen Anteil daran, dass sich sein Team in der ersten Runde gegen die Florida Panthers durchsetzen konnte. Greiss weiß aber auch, dass im Sport Vergangenes nur wenig zählt. Es kommt immer darauf an, was man in der Gegenwart zu leisten im Stande ist.

Und Greiss kann noch viel leisten und einiges reißen - auch beim anstehenden World Cup. Er wird, wie man es von ihm gewohnt ist, ein guter Rückhalt für seine Torwartkollegen sein und sie tatkräftig unterstützen. Sollte er zu einem Einsatz kommen, dann wird er sich dieser Herausforderung nicht nur stellen, sondern sie auch meistern. In diesem Sinne kann Team Europa zuversichtlich dem Turnier entgegensehen.

Neben Team Europa haben noch vier weitere Mannschaften bekannt gegeben, welche Torhüter für sie in der ersten Partie im Kasten stehen werden. Team USA setzt auf Jonathan Quick, Team Schweden auf Henrik Lundqvist, Team Nordamerika auf Matt Murray und Team Canada auf Carey Price.

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