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WCH Schlagzeilen

Der World Cup of Hockey 2016 im Rückblick

Dieses tolle Event hat riesige Vorfreude auf die neue NHL-Saison geweckt

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Nun ist er also auch schon wieder Geschichte, der World Cup of Hockey 2016. Und was bleibt hängen? Dass das Turnier, welches komplett im Air Canada Centre zu Toronto ausgetragen wurde, letztendlich mit dem Team Kanada, dem Gastgeber, seinen völlig verdienten Sieger gefunden hat, das dürfte eigentlich unbestritten sein. Damit setzte sich auch der bereits im Vorfeld der Veranstaltung ausgemachte Top-Favorit durch.

Die positive Überraschung, das Team Europa, ist an dieser Stelle zuletzt auch schon ausreichend gewürdigt worden. Herzerfrischend, wie sich die Auswahl von Ralph Krueger bis in das Finale vorkämpfte. Besonders der dramatische und hochemotionale 3:2-Erfolg im Halbfinale gegen das hoch eingestufte Team Schweden wird noch lange in Erinnerung bleiben.

Machen wir uns aber auch nichts vor, im Duell mit den Gastgebern war man dann letztendlich überaus klar unterlegen, wenn die einzelnen Spiele auch knapp waren, besonders das entscheidende zweite Finalspiel, wo der Underdog bis kurz vor dem Ende sogar in Führung lag.

Doch gingen im Turnierverlauf eben alle drei (!!!) gegen das Team Kanada gespielten Begegnungen verloren, wenn die Ergebnisse von 4:1, 3:1, schließlich dann 2:1 auch immer knapper wurden. Die Tatsache, dass stets die Kanadier am Ende jubelten, änderte das allerdings nicht.

An der Dominanz der von Mike Babcock gecoachten Auswahl darf es daher keinen ernsthaften Zweifel geben. Team Kanada blieb im gesamten Turnierverlauf vollständig ungeschlagen, hat sich den World Cup somit am Ende natürlich auch mehr als verdient. Der erst 53-jährige Babcock wurde damit übrigens zum ersten Trainer weltweit, der sowohl den Stanley Cup, den World Cup, den Weltmeistertitel, den Juniorenweltmeistertitel, als auch Olympisches Gold gewinnen konnte.

Der Eindruck von der Überlegenheit des Team Kanada verstärkt sich noch, wenn man mal einen Blick auf die Top-Scorer des Turniers wirft. 14 Aktive konnten vier oder mehr Punkte für sich verbuchen. Davon sind acht (!!!) für das Team Kanada aktiv gewesen.
 
Die Top 4, also ganz konkret die Spieler mit mehr als vier Punkten, sind sogar allesamt Kanadier. Sidney Crosby Crosby (Pittsburgh Penguins) sammelte 10 Zähler (3 Tore, 7 Assists), Brad Marchand (Boston Bruins) deren 8 (5 Tore, 3 Assists), Patrice Bergeron (Boston Bruins) immerhin 7 (4 Tore und 3 Assists) und Jonathan Toews (Chicago Blackhawks) erreichte 5 Zähler (3 Tore, 2 Assists).

Das zeigt schon ganz plastisch, wie überlegen Team Kanada war, wenn dieses natürlich auch zusammen mit dem Team Europa die meisten Spiele im Air Canada Centre bestreiten durfte, es Spieler aus zuvor ausgeschiedenen Mannschaften es entsprechend schwerer hatten sich vorne in die Scorerliste der Veranstaltung einzutragen.

Wo strahlende Sieger sind, da gibt es aber naturgemäß auch Enttäuschte. Mit dem sang- und klanglosen Ausscheiden des Team USA hätten wohl nur die wenigsten Beobachter gerechnet. Vor allem auch die Amerikaner selber nicht.

Ausschließlich Niederlagen zu kassieren, das war schon arg enttäuschend für ein Team welches sich vor dem Turnier noch in der Lage sah die favorisierten Kanadier herausfordern zu können.

Besser als das "reguläre" Team USA machte es da noch das aus Nachwuchsspielern aus den USA und Kanada zusammengesetzt Team Nordamerika, welches wirklich herzerfrischendes Eishockey zeigte, letztendlich nur recht knapp dem Team Russland beim Weg in das Halbfinale den Vortritt lassen musste.

Video: NAT@SWE: Matthews trifft 30 Sekunden nach Spielbeginn

Doch das junge Team rund um Auston Matthews (Toronto Maple Leafs) hat durchaus Lust auf mehr gemacht. Ob und wann man eine solche Auswahl noch einmal wiedersehen kann, und wie sie dann besetzt sein würde, das lässt sich aktuell allerdings noch nicht absehen.

Aktuell geben sich sowohl NHL Deputy Commissioner Bill Daly als auch NHLPA Executive Director Don Fehr zwar optimistisch den World Cup bereits im Jahre 2020 wieder durchführen zu können bzw. zu wollen, doch fix ist das noch nicht. Eine so lange Pause wie zuletzt, der letzte World Cup wurde ja bekanntlich im Jahre 2004 ausgespielt, soll es jedenfalls nun definitiv nicht mehr geben, wenn auch der ausgewählte Termin im September noch nicht bei allen Beteiligten auf ungeteilte Zustimmung traf.

Eine solch hochklassig besetzte Veranstaltung so früh im Eishockeyjahr durchzuführen ist halt auch nicht der wirklich völlig ideale Zeitpunkt um große Aufmerksamkeit für das Event zu generieren. In Nordamerika kollidiert man dann direkt mit der Footballliga NFL, dem College Football und der Baseballsaison. In Anbetracht dessen waren die erzielten TV-Quoten des World Cup of Hockey 2016 dort allerdings sehr respektabel.

Der Sender ESPN verzeichnete beim ersten Finale in den USA knapp 500.000 Zuschauer, eine Zahl die sich im zweiten Endspiel dann jedoch nicht mehr erreichen ließ. Bei Sportsnet erreichte man in Kanada gute 2,27 Mio. Zuschauer am entscheidenden Final-Donnerstag. In den USA wäre es natürlich grundsätzlich von Vorteil für die Zuschauerzahlen gewesen, wenn Team USA und Team Nordamerika nicht bereits vor dem Halbfinale ausgeschieden wären.
 
Für die weltweiten Fernsehzuschauer waren die in Toronto eingesetzten Helmkameras bei den Schiedsrichtern unbestritten ein absolutes Highlight. Äußerst faszinierend, wenn man als Zuschauer für wenige Sekunden den Eindruck gewinnen kann, man stünde direkt im Zentrum des Geschehens.

Insgesamt bleibt das Turnier somit sehr positiv in Erinnerung. Es bot noch vor dem offiziellen Saisonstart in der NHL Eishockey auf absolutem Top-Niveau, brachte die Sportart in diesem Jahr bereits früher als üblich zurück auf die Karte des Weltsports, schuf somit bereits auch eine ungewöhnlich große Vorfreude auf den Ligastart bei den NHL-Freunden, und das weltweit.

Und lange gewartet werden muss nun ja auch nicht mehr. Die ersten Vorbereitungsspiele der 30 Teams laufen, die beim WCH aktiven Spieler sind weitestgehend auch bereits wieder bei ihren Teams angekommen, werden dort nun nach und nach ins Teamtraining ihrer Franchise einsteigen.
 
Lange 'Entzugserscheinungen' braucht also niemand zu entwickeln. Die NHL übernimmt quasi nahtlos. Und Dank des World Cups sind Millionen Eishockeyfans jetzt bereits wieder mehr denn je voller Vorfreude auf die ersten Saisonspiele. Ein schöner Erfolg!

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