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WCH Schlagzeilen

Team Kanada kommt mit blauem Auge davon

Team Europa schaffte es nicht, den Favoriten zu stürzen, wird aber am Donnerstag einen erneuten Anlauf wagen

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Der Stich in das kanadische Eishockeyherz ist ausgeblieben, doch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch konnte man erneut ein Eishockeyfestival des Mixteams aus Europa bestaunen. Auch wenn die gezeigte Leistung letztendlich nicht ganz ausreichte, um den haushohen Favoriten aus Nordamerika den Ahornsirup vom Pfannkuchen zu nehmen, muss man der Truppe von Coach Ralph Krueger höchsten Tribut zollen.

Doch wie soll man das praktisch tun? Der offizielle Merchandisingshop bietet neben Spieltrikots lediglich Tassen mit dem stilisierten "E" feil. Doch für den bekennenden Fan des europäischen Mix-Teams ist diese Auswahl viel zu mager. Er will in türkiser Bettwäsche nächtigen. Er will als erste Amtshandlung des Tages seine Zähne mit einer in den Farben des Team-Europas gehaltenen Bürste putzen. Er will sich Wackelfiguren von Tomas Tatar, Anze Kopitar, Leon Draisaitl, Mats Zuccarello und Jaroslav Halak auf den Schreibtisch stellen. Er will sich einen Bravo-Starschnitt von Zdeno Chara an die Schlafzimmerwand hängen. Er will sein KFZ für die tägliche Staufahrt mit Fan-Fähnchen von Team Europa schmücken. Ja, sogar die Seitenspiegel sollen für den nahenden Herbst Türkis-Blau eingepackt werden.

Die Diskussion über die fehlende Identität des mit Spielern aus acht verschiedenen Nationen zusammengewürfelte Team hat einen Bart wie Joe Thornton. Ja, dieses Team Europa hat keine Hymne die so inbrünstig gesungen werden kann wie ein "Oh Canada", doch wen juckt das auf der europäischen Bank? 

Selbst der kandische Übungsleiter Mike Babcock sah sich gezwungen, eine Lanze für seinen Gegner zu brechen: "Ich bin der Meinung, dass sie über weite Teile des Spiels besser waren als wir. Sie haben schnell geschalten und flott gespielt aber letztendlich haben wir einen Weg gefunden um das Spiel zu gewinnen." 

Kopitar und Co brachten die kanadische Landesauswahl ein ums andere Mal in Verlegenheit und bis Patrice Bergeron auf Zuspiel von Sidney Crosby den Deckel sprichwörtlich draufsetzte, sah man eine offene Partie, die jederzeit kippen konnte. Von der kanadischen Unbekümmertheit, die Defensivspezialist Drew Doughty noch im Vorfeld des Finales anpries: "Ich denke, die einzige Möglichkeit, uns nervös zu bekommen ist, dass wir in den letzten Minuten mit einigen Toren hinten liegen", war zeitweise nichts mehr zu sehen. Europa stürmte und der Favorit wankte.

Auch wenn er an diesem Abend nicht fallen sollte, ein paar Körpertreffer wurden gesetzt und knapp drei Minuten lang ohne Torhüter (Trainerfuchs Krueger zog Halak bereits nach 57:17 gespielten Minuten) gegen dieses mit Größen des Sports gespickte Team kein Gegentor zu kassieren, muss sich doch fast wie ein Sieg anfühlen.

Mark Streit sah sein Team nicht weit entfernt vom Klassenprimus: "Wir wollten ihre Geschwindigkeit und ihre Intensität mitspielen. Sie kamen hart aus der Kabine und wollten direkt loslegen. Wir hatten gute Forechecks und gute Zeit im Angriffsdrittel und haben uns sehr gute Torchancen herausgespielt. Das ist sehr positiv. Wenn wir hinten gut spielen, leidenschaftlich spielen und Halak die Saves macht, dann bekommen wir unsere Chancen. Leider mussten wir ein paar Rückschläge hinnehmen, aber das passiert einfach, weil die Kanadier immer gefährlich sind." 

Tobias Rieder, Christian Ehrhoff und Dennis Seidenberg, die immer noch keinen gültigen NHL-Vertrag in ihren Händen halten, spielten sich gegen das mit Superstars gespickte Dreamteam, für das sie nach der durchwachsenen vergangenen Saison wohl nicht mal eine Einladung als Busfahrer bekommen hätten, auf die Zettel der NHL-Teamverantwortlichen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich das Pokerspiel der deutschen Vertreter auszahlen und schon bald Einladungen zu den aktuell laufenden Trainingscamps ins Haus flattern. 

Doch die weiteren Karrieren treten ob des bevorstehenden zweiten Finalspiels in den Hinterkopf. Seidenberg jedenfalls fokussiert sich voll und ganz auf die Herausforderung gegen Kanada:

"Das Endergebnis hätte sicherlich knapper ausfallen können. Unser Gameplan ist weitestgehend aufgegangen. Wir haben die Scheibe defensiv gut kontrolliert, haben hart gegen den Puck gearbeitet und uns Chancen herausgespielt. Wir haben zwar verloren, nehmen aber viel Positives aus dem Spiel. Wir können mit unserem Spiel zufrieden sein und werden am Donnerstag alles geben." 

Auch Streit nimmt trotz der Niederlage viel Positives mit und will am Donnerstag endlich gewinnen:
"Wir gehen nicht mit der Einstellung in das Spiel, dass wir ein enges Spiel haben wollen. Die Einstellung lautet, dass wir gewinnen wollen. Uns kümmert es nicht, was die Leute von uns denken. Wir wissen was wir draufhaben und wissen, dass wir viel Potential und viele Möglichkeiten in unserem Team haben. Es war das erste Spiel und es ist gut, dass es eine Best-of 3 Serie ist. Am Donnerstag haben wir nochmal die Chance. Da werden wir ihnen alles was wir haben entgegensetzen und das wird hoffentlich ausreichen."

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