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WCH Schlagzeilen

Von wegen Rücken an der Wand

Team Europa hat keine Zeit zum Nachtrauern sondern schaut mutig nach vorne

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Zwei Siege in Folge gegen ein Team Canada, das auch noch vor heimische Kulisse antreten darf, sind eine hohe Hürde, die es nun für Team Europa zu nehmen gilt. Nach der 1-3 Niederlage am Dienstagabend liegt die europäische Auswahl in der Best-of-3 Serie mit 0-1 im Hintertreffen. Gerne wird dann auch davon gesprochen, dass eine Mannschaft bei einer solchen Konstellation mit dem Rücken zur Wand steht. Bei Team Europa, bei den Spielern und Trainern, ist davon wenig zu spüren. Wer mit dem Rücken der Wand zugewendet steht, schaut eben auch nach vorne, nach vorne auf die anstehenden Aufgaben - wohlgemerkt nicht Aufgabe.

"Wir wissen alle, dass es die Finalserie ist und dass sie Best-of-3 gespielt wird. In welcher Reihenfolge man die zwei Siege einfährt ist vollkommen irrelevant", gab sich Cheftrainer Ralph Krueger optimistisch.

Dabei handelt es sich keinesfalls um Zweckoptimismus. Nicht erst die Partie am Dienstagabend hat gezeigt, dass es Team Europa, jene Mannschaft die aus Spielern, die aus acht Nationen stammen, zusammengesetzt ist, mit jedem Gegner aufnehmen kann - selbst wenn er Team Canada heißt.

In dieser Europa-Auswahl steckt so viel Wille und Zuversicht. Taktisch hervorragend eingestellt überzeugen sie durch ihre einerseits abgeklärte, andererseits frische Spielweise.

Als sie von der Hiobsbotschaft erfuhren, dass sie im ersten Finalspiel auf die Dienste von Marian Gaborik verzichten müssen, der sich im Halbfinale gegen Team Schweden schwer verletzt hatte und nun acht Wochen pausieren muss, wurden sie nicht aus der Bahn geworfen. Die zweite Sturmformation wurde umgestellt und der dänische Stürmer Mikkel Boedker kam zu seinem ersten Turniereinsatz.

Die mannschaftliche Geschlossenheit zeichnet eben diese Truppe aus. Krueger würfelt auch während des Spiels seine Sturmreihen durcheinander und es gab trotzdem kaum Abstimmungsprobleme. Nur einen verloren sie zwischendurch aus den Augen - Sidney Crosby. Den Teamkapitän der kanadischen Auswahl kann man nicht, wenn er sich wie bei diesem Turnier in Bestform präsentiert, 60 Minuten lang in Schach halten. Sowohl beim frühen 1-0 von Brad Marchand, wie auch beim 3-1 von Patrice Bergeron, gut zehn Minuten vor Spielende, war die Nummer 87 der kanadischen Auswahl maßgeblich beteiligt.

"Ich habe in der Kabine gespürt, dass uns diese Niederlage noch enger zusammenschweißen wird", sagte Krueger.

So eng, dass auch Crosby keine Lücken mehr findet?

Video: EUR@CAN, Sp1: Tatar trifft für Team Europa

Man darf davon ausgehen, dass der Deutsch-Kanadische Trainer in den kommenden zwei Tagen bis zu Spiel 2 das Team noch einmal genau auf die Gefahr, die von Kanadas erster Sturmformation ausgeht, hinweist und die gemachten Fehler akribisch analysiert.

Krueger ließ keine Zweifel aufkommen: "Wir sprechen immer darüber, was wir besser machen können."

Kann sich diese Mannschaft nach ihrer bisher besten Turnierleistung, die jedoch nicht zu einem Sieg gereicht hat, wirklich noch steigern?

Krueger weiß, wo er anzusetzen hat: "Wir haben in den falschen Situationen zu riskant gespielt und dann ist eben Kanada da. Wir hatten auch unsere Gelegenheit haben daraus aber zu wenig gemacht. Wir hätten [Carey] Price bei unseren Chancen noch öfters prüfen müssen."

Team Europa hat am Dienstag gezeigt, dass sie auf Augenhöhe mit den kanadischen Topstars mithalten können. Über weite Strecken des ersten Drittel (13-9 Torschüsse) und zu Beginn des zweiten Drittels hatten sie sogar ein optisches Übergewicht. Krueger war auch mit der Vorstellung im Schlussabschnitt weitestgehend zufrieden, bedauerte aber, dass das Überzahlspiel noch nicht ideal funktioniert.

"Wir müssen effektiver im Powerplay werden, das ist unsere Achillesferse in der Offensive." Viele Gelegenheiten mit einem Mann mehr auf dem Eis zu fungieren, boten sich der Europa-Auswahl nicht - genau gesagt waren es zwei Situationen. Nach bereits 21 Sekunden musste Marchand auf der Strafbank Platz nehmen und ausgerechnet dieser vermeintliche Vorteil führte, als die zwei Minuten abgelaufen waren, zum Gegentor.

Wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre, wenn Team Europa diese frühe nummerische Überlegenheit zum eigenen Nutzen verwendet hätte. Hätte die Mannschaft von Coach Mike Babcock vielleicht das Flattern bekommen, nachdem so viel Druck von außen auf ihr lastet?

Vielleicht werden wir es in Spiel 2 des World Cup Finales erfahren, das am Donnerstag um 8 p.m. Ortszeit im Air Canada Centre von statten geht.

 

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