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WCH Schlagzeilen

Team Europa ein Symbol gegen nationales Denken

Der Zusammenschluss aus Spielern verschiedener Länder hat beim WCH ein äußerst positives Signal gesendet.

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Team Europa war für den World Cup of Hockey 2016 im Air Canada Centre in Toronto ein Experiment, so war es vor dem Turnier häufig zu hören. Der Mannschaft bestehend aus europäischen Spielern außerhalb der direkt teilnehmen Länder Schweden, Finnland, Russland und Tschechien wurde dementsprechend nicht viel zugetraut.

Am Ende muss resultiert werden, dass das Experiment vollständig ein Erfolg war, auch wenn es von den Organisatoren NHL und NHLPA möglicherweise anders gedacht war und es gerade in den beteiligten Ländern teilweise deutliche Kritik daran gab, weil ihre Nationen nicht separat mit Teams vertreten sein durften.

Das Ergebnis wird nicht nur beeinflusst durch das Erreichen des Finales durch die Außenseiter und ihren gezeigten Kampf darin, den großen Favoriten und letztendlichen Sieger Team Kanada zumindest schwer zugesetzt zu haben und nur mit einigem Pech am dritten Finalspiel vorbeigeschrammt zu sein, sondern vor allem durch deren Auftreten im Allgemeinen.

Roman Josis Pfostenschuss im Powerplay, das wenig später das entscheidende Unterzahltor durch Brad Marchand beinhaltete, ist ein deutliches Indiz dafür, dass es am Ende im Endspiel äußerst knapp zuging. Zusätzlich betrat der kanadische Torschütze beim Einwechseln deutlich zu früh das Eis und konnte so seinen Torabschluss überhaupt erst herbeiführen. Aber diese Geschichte wird sicher keinen Wembley Tor Status einnehmen.

Natürlich war es Ziel der Veranstalter möglichst viele Nationen vertreten zu sehen, ohne das Turnier mit weniger wettbewerbsfähigen Mannschaften aufzublähen. Und diesen Status haben schließlich selbst Länder wie Deutschland, Slowakei oder die Schweiz. Die letzten World Cup Turniere liegen zwar schon 12 bzw. 20 Jahre zurück, doch den damals teilnehmenden Deutschen und Slowaken gelangen dabei insgesamt nur ein Sieg (1996: Deutschland 7-1 gegen Tschechien in Garmisch).

Aber im Zusammenschluss der besten Spieler hat Team Europa bewiesen, absolut konkurrenzfähig zu sein, auch wenn es vorher kaum jemand für möglich gehalten hatte. Das Signal, das diese Mannschaft damit in die Welt gesandt hat, ist wesentlich bedeutender, als die Siege und der Erfolg den, nie für möglich gehaltenen, zweiten Platz erreicht zu haben.

In ihren Statements verdeutlichten die Spieler, zu welcher Einheit sie zusammengewachsen waren und obwohl immer wieder betont wurde, dass die Spieler ihre Nationen durch die Flagge auf dem Trikot verdeutlicht, vertreten würden, so bot diese Mannschaft sportlich gesehen Erfrischendes und das unabhängig davon, dass sie eine einzige Nation vertreten haben.

Dies ist gerade in der heutigen Zeit des wieder wachsenden Nationaldenkens, auch und insbesondere in Europa ein wichtiges Zeichen. Die Identifikation der Mannschaft, weil sie eben kein spezielles Land repräsentieren würden und keine Hymne für sie vor den jeweiligen Spielen gespielt würde, war stets und immer wieder in Frage gestellt worden.

Es war schön zu sehen, dass die Spieler trotz der unterschiedlichen Nationalität gemeinsam an einem sportlichen Strang gezogen haben und so bewirkten, dass Österreicher mit Slowaken, Deutsche mit Schweizern und Dänen jubelten. Ein tolles Symbol gegen nationales Denken.

Ein weiterer interessanter Aspekt, dass das zusammen gewürfelte Team Europa mehr Einsatz für die Sache und den Erfolg zeigte, als dieses bei anderen Mannschaften der Fall war, die eine einzige Nation vertraten.

Ob Team Europa im Rahmen des World Cup of Hockey eine Zukunft haben wird, steht in den Sternen. Es wird sicher keinen Modellcharakter haben für Weltmeisterschaften oder andere Nationenturniere, doch die Organisatoren haben mit dieser Mannschaft sehr wahrscheinlich unbedacht ein Element geschaffen, welches, auch durch das begeisternde Auftreten der Spieler und das dargestellte Miteinander, sowie gepaart mit dem sportlichen Erfolg, sehr positive Signale für eine erfolgreiche Kooperation mehrerer Staaten gesendet hat.

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