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WCH Schlagzeilen

Drei klasse Testspiele für den World Cup

Die letzten drei Testspiele zum WCH boten tolles Eishockey und einen ersten Sieg für Team Europa

von Bernd Roesch / NHL.com/de Chefautor

Zwölf Vorbereitungsspiele haben die acht am World Cup of Hockey 2016 teilnehmenden Mannschaften seit dem vergangenen Donnerstag bestritten. Partien, bei denen man nicht den Eindruck gewann, dass es sich nur um Testspiele für das hochklassig besetzte Turnier, das vom 17. September bis zum 1. Oktober im Air Canada Center von Toronto ausgetragen wird, handelt.

Die Spieler jedes einzelnen Teams hatten in der kurzen Trainingscampphase wenig Zeit zusammenzufinden. Umso überraschender war es, dass sie vom ersten Testspiel an den Zuschauern Eishockey auf höchstem Niveau boten und es auch an Körpereinsatz nicht vermissen ließen. Wie ausgeglichen dieser World Cup besetzt ist, erkennt man daran, dass es keiner Mannschaft gelungen ist seine drei Begegnungen zu gewinnen.

Draisaitl-Show

Das bis Mittwochabend noch sieglose Team Europa, seine ersten zwei Partien hatte es nach teilweise enttäuschenden Vorstellungen gegen Team Nordamerika verloren, konnte heute Nacht mit einem deutlichen 6-2 Sieg über Team Schweden beweisen, dass auch sie mit den großen Eishockeynationen mithalten können.

Team Europa Coach Ralph Krueger hatte immer wieder erwähnt, dass seine Mannschaft eine Außenseiterrolle einnehme, dass sie aus Spielern zusammengestellt sei, die aus Nationen kommen, die im Eishockeysport Außenseiter sind. Hocherfreut zeigte sich Krueger nach dem gestrigen Erfolg gegen die Skandinavier über die Reaktion seines Kaders nach den doch deutlichen und herben Niederlagen (0-4, 4-7) gegen die junge Mannschaft von Team Nordamerika. Er hob dabei besonders die Leistung des deutschen Stürmers Leon Draisaitl hervor: "An ihm kann man erkennen über welchen Charakter diese Mannschaft verfügt. Er hätte frustriert aufgeben können, doch er kam zurück und kämpfte. Leon ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir uns auch als Gruppe gefunden haben."

Was war passiert? Draisaitl stand die meiste Zeit in einer Reihe mit Tobias Rieder, dem zweiten deutschen Stürmer im Kader von Team Europa und mit dem Schweizer Rechtsaußen Nino Niederreiter, zeitweise auch mit dem französischen Außenstürmer Pierre-Edouard Bellemare, und der 20-jährige Center bestritt eine überragende Partie, die er sich mit einem Hattrick belohnte. Besonders schön war der zweite Treffer von Draisaitl, bei dem er sein Können aufblitzen ließ. Erst umkurvte er den schwedischen Verteidiger Mattias Ekholm und anschließend ließ er keinem Geringeren als Henrik Lundqvist, dem Vezina Trophy Gewinner von 2012, keine Abwehrchance. Zur Mitte des zweiten Durchgangs schlug der Puck an Lundqvists Fanghand vorbei zur 3-0 Führung im Kasten von Team Schweden ein.

Der dreifache deutsche Torschütze erwähnte nach seinem Galaauftritt explizit, dass man in solchen Spielen, bei einem solchen Turnier immer besonders motiviert sei: "Ich bekam im Spiel zuvor wenig Eiszeit [5:30 Minuten], so musste ich aus dem Stegreif bereit sein und ich glaube, dass unsere gesamte Reihe ein ziemlich solides Spiel abgeliefert hat."


Knapp ging's zu

Wie hoch die Leistungsdichte der acht Mannschaften ist wurde auch in den zwei weiteren Begegnungen von heute Nacht deutlich. Die bis dato noch ungeschlagenen Überflieger von Team Nordamerika mussten sich der tschechischen Auswahl mit 2-3 Toren geschlagen geben. In einer bis zum Ertönen der Schlusssirene äußerst spannenden Partie verspielte Team Tschechien im Schlussdrittel zunächst eine 2-Tore Führung, um dann unmittelbar nach dem Ausgleichstreffer von Auston Matthews durch Tomas Plekanec das Siegtor zu erzielen. Für Team Tschechiens Kapitän war es bereits das dritte Tor in den Vorbereitungsspielen. Wie bereits am vergangenen Samstag beim 2-1 Shootout-Erfolg über Team Russland überzeugte die Mannschaft von Josef Jandac durch ihren Zusammenhalt - vor allem in der Defensive. In der ersten halben Stunde hatte zwar Team Nordamerika etwas mehr vom Spiel, fand aber, wenn sie sich gegen die kompakt stehende Abwehr einmal durchsetzen konnten in Schlussmann Michal Neuvirth, der sich von 25 Schüssen, die vor seiner Auswechslung auf seinen Kasten kamen, nicht bezwingen ließ. Man kann stark davon ausgehen, dass Neuvirth beim Auftaktspiel des World Cup auch das Vertrauen seines Trainers genießen wird. Team Nordamerikas Coach Todd McLellan hat sich bereits mehr oder weniger festgelegt, dass Matt Murray seine Nummer 1 sein wird: "Es sieht danach aus. Er hat gut gespielt."

In der Vorbereitung haben beide Mannschaften zwei ihrer drei Auftritte gewonnen, genauso wie der Titelfavorit Team Canada, der am Mittwochabend die Mannschaft aus Russland mit 2-3 in der Overtime bezwingen konnte. Ryan Getzlaf entschied das Duell der Eishockeygiganten nach knapp 3 1/2 Minuten in der Verlängerung. Die Zuschauer im Consol Energy Center von Pittsburgh bekamen eine rassige Partie zu sehen, bei der die kanadische Nationalmannschaft zunächst das Ruder in die Hand nahm und aufgrund der Spielanteile nicht unverdient durch Patrice Bergeron in Front ging. Ein Treffer, der zu mehr als 50 Prozent Kanadas Teamkapitän Sidney Crosby zu verdanken war. Crosby zog mit Tempo in das Drittel der Russen, zog die Aufmerksamkeit der Verteidiger auf sich und hatte dann das Auge für den in den freien Raum laufenden Bergeron.

Zufrieden über das Spiel der russischen Mannschaft zeigte sich trotz der Niederlage Crosbys Teamkollege bei den Pittsburgh Penguins Evgeni Malkin: "Mir hat es gefallen, wie wir aufgetreten sind. Spiele gegen Kanada sind immer etwas Besonderes, egal ob es um etwas geht oder es ein Vorbereitungsspiel ist. Ich hoffe, dass wir uns das nächste Mal im Halbfinale oder Finale wieder sehen."

Die Auftaktpartien des World Cup of Hockey 2016 lauten am Samstag, den 17. September Team USA gegen Team Europa (21:30 MESZ) sowie Team Tschechien gegen Team Canada (2:00 MESZ). Am Sonntag, den 18. September, treten Team Schweden gegen Team Russland (21:00 MESZ) und Team Nordamerika gegen Team Finnland (2:00 MESZ) an.

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